Der Kranke zum Schein

Als der Löwe eines Tages alt geworden war und Zähne und Klauen verloren hatte, blieb er von der Jagd zuhause.
Er konnte nicht mehr wie früher Beute machen. Darauf ließ der alte Löwe in allen vier Himmelsrichtungen die Nachricht verbreiten, dass der alte Löwe so-und-so sehr krank sei. Er
selbst legte sich auch von diesem Tag an in einer Berghöhle nieder. Da kamen alle Arten von Tieren und fragten nach seinem Befinden. Als auch einer von seinen alten Freunden, nämlich der Fuchs, hörte, dass der Löwe krank sei, kam er, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Der Fuchs ging jedoch nicht in die Höhle hinein, sondern blieb beim Ein-gang stehen und fragte:
“Nun, Herr Löwe, wie geht es dir?”
Da sagte der Löwe:
“Freund Fuchs, außer dir sind alle anderen zu mir her gekommen und haben sich nach meinem Befinden erkundigt. Warum bleibst du draußen stehen? Komm doch zu mir her!”
Da erwiderte der Fuchs:
“Herr Löwe, die Freundschaft mit dir ist eine gute Sache, aber ich habe nur Spuren gesehen, die in dein Haus hineinführen, und keine, die aus ihm herausführen. Deshalb halte ich es auch für gute Freundschaft, sich von hier aus nach deinem Befinden zu erkundigen und nicht hineinzugehen” und rettete sich davor, dem Löwen in die Hände zu fallen.